FAZ - Frankfurter Allgemeine Zeitung 20.12.2016
FAZ - Frankfurter Allgemeine Zeitung 20.12.2016
FAZ - Frankfurter Allgemeine Zeitung 20.12.2016 (Text)
FAZ - Frankfurter Allgemeine Zeitung 20.12.2016 (Text)
Johannes Breckner im Darmstädter Echo 19.12.2016
Johannes Breckner im Darmstädter Echo 19.12.2016
Frankfurter Allgmeiene Zeitung 16.12.2016
Frankfurter Allgmeiene Zeitung 16.12.2016
Johannes Breckner im Darmstädter Echo vom 16.12.2016
Johannes Breckner im Darmstädter Echo vom 16.12.2016
15.12.2016 - http://www.ekhn.de/aktuell/detailmagazin/news/wo-liegt-mekka-vom-mond-aus-gesehen.html
15.12.2016 - http://www.ekhn.de/aktuell/detailmagazin/news/wo-liegt-mekka-vom-mond-aus-gesehen.html

Space Sience Slam

 

Wo liegt Mekka vom Mond aus gesehen?

Sdsds/Wikimedia CommonsLeben auf dem Mond, ein Thema für weiterreichende GedankenLeben auf dem Mond, ein Thema für weiterreichende Gedanken

 

Wissenschaftliche Vorträge unter tosendem Beifall des Publikums. Das gibts beim Science-Slam in Darmstadt. Einen Space-Science-Slam richtete am 14. Dezember 2016 die Schader-Stiftung in Darmstadt aus. Unter dem Titel „Utopie im Weltraum“ sprach auch eine Theologin über „Das multireligiöse Zentrum im Moon Village“.

 

Wo liegt eigentlich Mekka vom Mond aus gesehen? Für einen Muslim ist das eine echte Herausforderung. Mit Beispielen dieser Art  konnte Anna Krauß von der Universität Heidelberg ihre knapp 200 Zuhörer für Grundfragen des Glaubens begeistern. Es sei gar nicht die Frage, ob es eine Religion auf dem Mond gäbe, sondern wie sich religiöses Leben unter deutlich anderen Lebensbedingungen herausbilden würde. Denn auch eine Lebensgemeinschaft auf dem Mond würde religiöse Fragen stellen. Auch Menschen ohne religiöse Erfahrung hätten das Bedürfnis nach Vorbildern und Übergangsriten im Leben. 

Mit dieser Vorstellung einer religiösen Gemeinschaft außerhalb der Erde ist es der jungen Theologin gelungen, ihre überwiegend jüngeren Zuhörer von allen Klischees zu befreien und für Fragen des Glaubens zu öffnen. Zur Mond-Utopie packte sie noch jede Menge Slapstick. Im religiös geprägten Lebensraum der Erde sei es schwer, die „Fronten“ zu verschieben. So gäbe es exklusive Religionen wie das Christentum oder den Islam, die anderen Glauben eher ausschließen. Religionen wie der Hinduismus seien inklusiv und könnten weitere Glaubensvorstellungen aufnehmen. 

Friedliche Religion auf dem Mond

Unter anderen Bedingungen sei auch pluralistisches Glauben vorstellbar. Für Anna Krauß ist das die beste Vorbeugung gegen religiöse Gewalt. Eine bunt zusammengewürfelte Lebensgemeinschaft auf dem Mond würde zunächst einmal ganz praktische Fragen stellen, etwa wie sich das Brautpaar bei der Hochzeit küsst oder wie man die Toten auf dem Mond bestattet oder verbrennt. Sehr schnell käme man dann zu einer multireligiösen Raumnutzung und auch zu neuen Traditionen. Vielleicht würde man den Fußabdruck von Neil Armstrong als Reliquie verehren. 

Der Slam begeistert auch für trockene Themen

Unter tosendem Applaus erhielt die junge Theologin 42 Punkte vom Publikum, eine sehr gute Bewertung. Die gleiche Punktzahl erhielt Daniel Lambach. Der Politikwissenschaftler sprach über die „Mondrebellen“, die bald die Unabhängigkeit des Moonvillage erklären würden. Die Mondbewohner hätten nach den Regeln des Völkerrechts ein Recht auf Selbstbestimmung. Mit diesen witzigen Gedanken zur eigenständigen Lebenswelt auf dem Mond gelang es dem jungen Professor aus Duisburg, sein Publikum für das von vielen als trocken angesehene Fachgebiet der Politikwissenschaft zu begeistern. Weitere Referenten öffneten den Zuschauern die Augen und die Ohren, indem sie ihre Gedanken aus Soziologie, Philosophie und Germanistik ins Moonvillage verlegten. 

Ebenso wie beim Poetry-Slam wirkt auch beim Science-Slam das Publikum mit, indem es dem wissenschaftlich-fröhlichen Kurzvortrag emotional bewegt folgt und am Ende als Jury Punkte vergibt. Der Science-Slam ist noch eine sehr junge Form, die 2006 in Darmstadt erfunden wurde und mittlerweile weltweit verbreitet ist. Der erste Space-Science-Slam am 14.12.2016 war eine Kooperation der Schader-Stiftung mit dem ScienceSlam Darmstadt, der ESA, außerdem der Evangelischen Akademie Frankfurt, dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain und der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft.

 

 

Darmstädter Echo:

Kulturnachrichten
15.12.2016
Mit Würde in die Mondkirche

 

Bild könnte enthalten: 4 Personen, Personen, die stehen und Schuhe

Fantasie trifft Wissenschaft: Die Moderatoren Axel Röthemeyer (links) und Dreppec Alex (rechts) feiern die Space-Slam-Sieger Anna Krauß und Daniel Lambach (Foto: Dirk Zengel)

 

Von Johannes Breckner

WISSENSCHAFT Anna Krauß und Daniel Lambach gewinnen in Darmstadt den ersten Space Slam

DARMSTADT - Da irrt Jan Wörner. „Wenn ich vom Moon Village spreche, stelle ich mir keine Wohnhäuser, Kirchen oder eine Stadthalle vor“, hatte der Chef der europäischen Weltraumorganisation ESA und frühere Darmstädter TU-Präsident zu seinen Ideen von der Besiedelung des Mondes gesagt. Aber eine Kirche wird es gewiss geben, und zwar als als multireligiöses Zentrum, das den unterschiedlichen Glaubensbedürfnissen gerecht wird. Da ist Anna Krauß ganz sicher: Die Menschen werden ihre Spiritualität auch auf den Mond mitnehmen. Vielleicht beten sie ja das „Krater unser“, scherzte die Heidelberger Theologin in ihrem Vortrag, mit dem sie am Mittwochabend in der Darmstädter Schader-Stiftung den ersten „Space Slam“ gewann.

Auf Science-Slam-Wettbewerben könnte sie mit dieser Präsentation viele Punkte sammeln. Denn Anna Krauß hat nicht nur einen umwerfenden Humor, sondern auch das Talent, ihre wissenschaftlichen Überlegungen auf den Punkt zu bringen. Darauf kommt es an bei diesem Vortrags-Denksport, dessen Deutsche Meisterschaften am Samstag im Darmstadtium ausgetragen werden. Am Festival, das dieses Ereignis begleitet, beteiligt sich auch die Schader-Stiftung, die am Mittwochabend beim „Space Slam“ nach den gesellschaftlichen Bedingungen von Jan Wörners Mondfantasien fragte. Schader fördert ja die Gesellschaftswissenschaften und ihren Praxisbezug. „Da wollen wir die Welt da draußen nicht den Ingenieuren und Naturwissenschaftlern überlassen“, sagte Alexander Gemeinhardt, Geschäftsführer der Stiftung, in seiner Begrüßung, die so locker und witzig ausfiel, als solle sie im Slam konkurrieren.

Wörners Mondidee reizt jedenfalls die Forscherfantasie. Wie immer die Mondbesiedelung organisiert wird – irgendwann werden die Siedler ihre Unabhängigkeit erklären und zu Mondrebellen werden, erklärte der Duisburger Politikwissenschaftler Daniel Lambach, der den Mond als perfekte Steueroase vorstellte und einen schwunghaften Handel mit Mondgrundstücken prognostizierte. Sein Tipp an die Mondrebellen: gewaltfrei Widerstand zu leisten, denn das ist effektiver. Lambach und Krauß lagen am Ende punktgleich an der Spitze – sowohl in der Publikumswertung als auch bei der Jury, die von Helmut Müller (Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main), Juan Miró (Esoc) und Oliver Quiring (Uni Mainz) gebildet worden war. Die anderen Wettbewerber erzielten Achtungserfolge. Bei Alexander Rausch und Christian Stegbauer aus Frankfurt war die gemütliche Selbstironie ihres Dialogs, der ein wenig nach Fastnachts-Sketch klang, deutlicher zu erkennen als die Theorie von der Entstehung einer Mondkultur. Beim Karlsruher Germanisten Philipp Schrögel, der den Unterschied zwischen Science Fiction und Wissenschaft erläuterte, war die Unterhaltsamkeit ebenfalls größer als die Erkenntnis. Dass es auch umgekehrt geht, bewies die Berliner Philosophin Julia Bonk. Sie hatte tatsächlich etwas zu sagen über die Chancen der „kompletten Selbstschöpfung“: Weil die Mondgesellschaft sich ganz neu gründet, kann sie die Regeln des gemeinsamen Lebens vereinbaren. Bonk rät dazu, die Grundidee der Würde ins Reisegepäck der Mondfahrer aufzunehmen. Jan Wörner sollte sie unbedingt in sein Team aufnehmen, aber wenn auf dem Mond einmal ein Science Slam veranstaltet wird, muss sie sich nicht bewerben.

Tanze mit Raketenschuhen – Dance with Rocket Shoes

 

Alex Dreppec ist ein Besessener. Besessen vom Glauben an die Kraft humoristischer Poesie. Wer erinnert sich nicht an ‚Die Doppelmoral des devoten Despoten‘ (erschienen 2003 in der legendären Eremiten-Presse)? Oder den 2015 im chiliverlag erschienenen ‚Glasaugenstern‘? Seine witzigen Gedichte finden sich ebenso im anerkannten ‚Conrady‘ wie in ‚Hell und Schnell‘ (555 komische Gedichte aus 5 Jahrhunderten), herausgegeben von Robert Gernhardt. 2004 erhielt er den renommierten Wilhelm-Busch-Preis für humoristische Versdichtung. Aber auch auf den Poetry-Slam-Bühnen war Alex Dreppec immer ein gefragter Name.

Ein anderes Anliegen des promovierten Psychologen war bisher viel weniger bekannt: Die Verständlichkeitsforschung. Bereits 2001 erschien sein Standardwerk ‚Verstehen und Verständlichkeit‘; einige Jahre später entwickelte er für die Wissenschaftsstadt Darmstadt das Format ‚Science Slam‘. Die weltweit erste Veranstaltung dieser Art organisierte er 2006 in der Darmstädter Stoeferle-Halle. Wissenschaftliche Forschung soll dabei in begrenzter Zeit allgemeinverständlich dargeboten werden. Mittlerweile hat der Science Slam einen weltweiten Siegeszug angetreten – und nur wenige wissen, dass er in Darmstadt von Alex Dreppec erfunden wurde.

 

Nach diesem Erfolg war es nur konsequent, wenn Dreppec versuchte, verständliche Wissenschaft und komische Versdichtung zu vereinen. Gleichzeitig übersetzte er seine Werke in die englische Wissenschaftssprache. Schon bald erschienen sie in den amerikanischen Zeitschriften ‚Cincinnati Review‘ oder ‚Notre Dame Review‘. Auch das britische Magazin ‚Orbis‘ druckte nun Alex Dreppec.

 

Beispiel 1: Akzentuierung (für Psychologen)

 

Frau Sieda war ängstlich, denn sie
litt sehr unter Spinnen-Phobie
Eine Gegenkonditionierung
verhalf zur Akzentuierung
Nun süßt sie die Spinnen mit Süßli
und schneidet sie sich dann ins Müsli

 

Im Laufe der Jahre kamen so viele witzige Wissenschaftsgedichte zusammen, dass der chiliverlag sie in dem zweisprachigen Werk ‚Tanze mit Raketenschuhen‘ veröffentlichte. Geordnet nach Sozial-, Geistes- und Naturwissenschaften findet der Leser herrliche Ergüsse fröhlicher Forschungsarbeit. Dem Verfasser kam es offensichtlich nicht nur darauf an, fundiertes Wissen in knapper poetischer Form zu vermitteln – immer wieder lässt der Leser das Buch sinken, um über eine Pointe zu lachen. Gerade der Humor der Wissenschaftler hat den Science Slam ja so populär werden lassen.

 

Beispiel 2: Herzschrittmacher (für Elektrotechniker)

 

Sieh: Schienenbahnen für Trillionen zahme Elektronen,
die wir zu krönen planen auf Platinen-Großmissionen,
zack, zack, steck die Dose auf den Schockerstecker,
weck den letzten Schläfer mit Elektroschockerwecker,
bis bei Elektro-Techno frei die Funken sprühen,
vom Technik-Techtelmechtel alle Lampen glühen,
bis die Ovationen dröhnen, denn am Ende dienen
unsren Spleens die schönsten aller kühnen Maschinen.

 

Sieh: Steh’n im Tal und auf den Bergen hoch die Haare
im Wind durch wahre Wunderwerke, Windkraft-Exemplare,
dann wird das alle faszinieren und elektrisieren
und in breiten Strömen sämig Strom für uns kreieren.
Wir bau’n mit Speed Metal im Kopf den Herzschrittmacher
und zum Elektro-Widerstand den Widersacher.
Der Morsecode der fein geplanten Hochspannungskaskaden
lässt froher Nutzer Waden in Warmwasserschwaden baden.

 

Diese Gedichte sind jedoch nicht nur leicht lesbar; sie eignen sich exzellent dazu, im fröhlichen Zusammensein vorgetragen zu werden. Das gilt ebenso für die englischen Übertragungen. Ohne weiteres könnte man sich vorstellen, dass der Science Slam durch solche Verse einen völlig neuen ‚Drall‘ erhält – oder einen entsprechenden ‚Spin‘, wie die Teilchenpyhisker zu sagen pflegen. Die Sammlung erscheint im chiliverlag, pünktlich zu den siebten Deutschen Meisterschaften im Science Slam, bei denen gleichzeitig gefeiert wird, dass diese Form des wissenschaftlichen Kurzvortrages vor zehn Jahren von Alex Dreppec erfunden wurde.

 

© Marc Mandel

 

Alex Dreppec, Tanze mit Raketenschuhen Dance with Rocket Shoes: Wissenschaftsgedichte Science Slam Poetry
180 Seiten chiliverlag, November 2016
Deutsch – Englisch

ISBN 978-3943292503

 

Quelle: http://lyrikgesellschaft.de/pappalappa-mirzapan-tanze-mit-raketenschuhen/

Bei der Geburtstagsfeier im Theater im Pädagog: v. l. Moderator Axel Röthemeyer und Buchautor Alex Dreppec (Foto: Dirk Zengel)
Bei der Geburtstagsfeier im Theater im Pädagog: v. l. Moderator Axel Röthemeyer und Buchautor Alex Dreppec (Foto: Dirk Zengel)Darmstädter Echo 6.12.2016
Darmstädter Echo 6.12.2016
Darmstädter Echo 6.12.2016

 

Darmstädter Echo

Darmstadt 02.12.2016

 

Wissenschaft in Kurzform

 

SCIENCE SLAM In Darmstadt erfundenes Format feiert Zehnjähriges

DARMSTADT - (red). Science Slam sind wissenschaftliche Kurzvorträge, die von den Forschern selbst auf die Bühne gebracht werden. Science Slam gibt es mittlerweile in ganz Europa, selbst in Chile, Indonesien und Südafrika.

 

Die Geburtsstunde schlug 2006 in Darmstadt. Der Verständlichkeitsforscher Alex Dreppec hat Science Slam in der Stoeferle-Halle aus der Taufe gehoben. Das zehnjährige Jubiläum wird am heutigen Freitag um 20 Uhr im Theater im Pädagog, Pädagogstraße 5, gefeiert.

 

Dreppec und Axel Röthemeyer (Moderator der ersten Stunde), werfen einen lebhaften Rückblick auf zehn Jahre Science Slam. Kenner Philip Schrögel (Karlsruhe), der auch zum Thema Science Slam forscht, ergänzt die Runde. Auch das Publikum soll einbezogen werden.

Alex Dreppec wird bei der Veranstaltung außerdem sein Buch „Tanze mit Raketenschuhen. Gedichte für Wissenschaftler“ vorstellen. Weitere Infos zu der Veranstaltung gibt es im Internetr auf www.scienceslam-darmstadt.de/aktuell.

 

Darmstädter Echo

Kulturnachrichten 29.11.2016

 

Über Raketen tanzen

 

SCIENCE SLAM Ein Welterfolg aus Darmstadt: Start des Festivals der Wissenschafts-Plauderer

DARMSTADT - (two). Wer hat's erfunden? Die Darmstädter! Beziehungsweise: die Poetry-Slammer Alex Dreppec und Axel Röthemeyer waren es, die vor zehn Jahren erstmals Wissenschaftler einluden, ihre Forschungsthemen live auf die Bühne zu bringen. Zehn knackige Minuten vor bunt gemischtem Publikum, das hernach abstimmen darf über die beste Performance. Als "Science Slam" zog das Ganze bald Kreise. Jetzt gibt's eine Jubiläums-Sause, die am Freitag, 2. Dezember, mit einem Podiumsgespräch über den Sinn, Zweck und Erfolg des Formats beginnt.

 

Unter dem Titel "Science Slam Hirnstadt Darmstadt - das Original" bespiegeln drei Szenekenner das Phänomen im Theater im Pädagog. Dreppec und Röthemeyer sind mit dabei, dazu der Karlsruher Philip Schlögel - der forscht über das Thema "Science Slam", und so ist das Format inzwischen selbst Gegenstand der Wissenschaft geworden.

Neben dem Jubiläums-Rückblick gibt's auch eine Premiere. Dreppec stellt sein Buch "Tanze mit Raketenschuhen" vor, das Gedichte für Wissenschaftler versammelt. Um 20 Uhr beginnt der Meta-Slam in der Pädagogstraße 5.

Martina Noltemeier im FRIZZ Magazin 5.12.2016
Martina Noltemeier im FRIZZ Magazin 5.12.2016
Martina Noltemeier im FRIZZ Magazin 5.12.2016
Martina Noltemeier im FRIZZ Magazin 5.12.2016
Frankfurter Allgemeine Zeitung 3.12.2016
Frankfurter Allgemeine Zeitung 3.12.2016
Frankfurter Allgemeine Zeitung 3.12.2016
Frankfurter Allgemeine Zeitung 3.12.2016

Darmstädter Echo 12.9.2016

Darmstädter Echo 12.9.2016

Johannes Breckner am 18.08.2016 im Darmstädter Echo

Johannes Breckner am 18.08.2016 im Darmstädter Echo

23.6.2015 http://www.dna-darmstadt.de/science-slam-darmstadt-mai-2015/

 

DNA - Naturwissenschaften in Darmstadt

 

 

Science Slam – eine Darmstädter Erfindung

 

Wissenschaft ist trocken, langweilig, unverständlich und löst bereits in der Schule bei vielen das Bedürfnis aus, Physik und Chemie bei der ersten Gelegenheit abzuwählen – so das Klischee. Science Slam beweist jedoch seit dem ersten Wettbewerb 2006 das Gegenteil: Wissenschaft und Kreativität sind kein unvereinbarer Gegensatz.

Von Dorothea Wagner-Maroti

 

 

Die Regeln sind einfach: Die Gunst des Publikums entscheidet über Sieg und Niederlage. Die Moderatoren fordern dazu auf, nach einem bestimmten Punktesystem zu klatschen, damit sie mit ihren „geschulten Ohren“ die Kurzvorträge bewerten können. Zehn Minuten hat jeder Slammer Zeit. Wer überzieht, muss ein Glas Rotwein trinken.

Beim Science Slam stellen Wissenschaftler ihre Forschungsarbeiten in Kurzvorträgen vor und zwar nicht in „Fachgebabbel“ sondern laienverständlich und das mit großem Charme und Witz.

Und so bleibt auch am 30. Mai 2015 in der Halle der Centralstation in der Darmstädter Innenstadt kein Auge trocken. Moderiert wird der Abend von keinem geringeren als dem Erfinder des Science Slams, Alex Dreppec (bürgerlich auch Alex Deppert) und dem Darmstädter Multitalent Axel Röthemeyer. Der Gründer dieser Kunstform war lange Poetry Slammer und hat eine Doktorarbeit zur Verständlichkeit von wissenschaftlichen Texten geschrieben. Die Deutsche Bahn erledigte den Rest. „Ich habe mich damit beschäftigt, wie verständlich die Wissenschaft ist. Dadurch habe ich irgendwann mal bei einer Wartezeit am Bahnhof die Idee gehabt, dass man das verbinden sollte“, so Dreppec.

Ein internationaler Exportschlager

Daran, dass Science Slam so beliebt würde, glaubte Erfinder Dreppec anfangs nicht: „Man hofft so was natürlich und träumt davon, aber ich habe das nicht für realistisch gehalten. Die Resonanz vom Publikum war von Anfang an sehr positiv, aber es war anfangs sehr schwer Slammer zu finden.“ Mittlerweile gibt es auch Wettbewerbe in Indonesien, Chile oder Israel. Dabei hätte Dreppec den ersten Wettbewerb wegen fehlender Teilnehmer fast abgesagt, wäre es in der Presse nicht schon angekündigt gewesen. „Ich war in einer Zwangslage und so habe ich herumtelefoniert. Einem musste ich versprechen, ihm beim Umzug zu helfen, ich habe meinen Vater auf die Bühne gezerrt und auch meine Freundin musste Science Slammerin werden. Bei den ersten zwei Science Slams waren alle bis auf zwei Personen Bekannte von mir – ich habe alle persönlich verhaftet.“

amtierender-deutscher-SL-Meister_Paläontologe_Kai-Jäger
Amtierender deutscher Science Slam Meister – Paläontologe Kai Jäger
An Vortragenden mangelt es an diesem Abend nicht. Sechs Wissenschaftler aus den Bereichen Pyhsik, Chemie, Biologie und Linguistik sind in die Geburtsstadt des Science Slam gereist. Den Anfang macht Kai Jäger, amtierender deutscher Slammer-Meister und Paläontologe aus Bonn. Auf der Bühne steht ein junger Mann mit langen dunklen Haaren in einem Pferdeschwanz. Auf der Leinwand hinter ihm steht der Titel seines Vortrags „Ein Fossil zum Knutschen“. Was ein Paläontologe ist? „Jeder von uns war mal in der Gefahr Paläontologe zu werden, nämlich als wir mit Dinosauriern im Kinderzimmer gespielt haben. Wir waren die ‚Generation Jurassic Park‘, da wollten viele Kinder was mit Dinos machen, wenn sie groß sind. Ihr seid erwachsen geworden, ich nicht“, erklärt er seine Berufswahl. Während er erläutert, was ein Fossil überhaupt ist, wird im Hintergrund auf der Leinwand das gelb-blaue Logo der FDP eingeblendet, was für den ersten von vielen Gesichtskrämpfen unter den lachenden Zuschauern sorgt.

Doch bei allem Spaß kommt auch die Bildung nicht zu kurz. So erfährt man, dass es neben fossilen Knochen und Pflanzen auch „fossile Scheiße“ gibt, auch Koprolith oder Kotstein genannt und dass Brathähnchen direkte Nachkommen der Dinosaurier sind. Auch, wie man Knochen von Steinen unterschiedet demonstriert er mit einem einfachen Test. Dafür nimmt er einen großen, sehr verstaubt aussehenden Gegenstand und leckt daran. „Meine Zunge ist leicht am Objekt kleben geblieben. Das heißt, da sind Hohlräume und das bedeutet, das ist Knochen“, erklärt Jäger und beruhigt die entsetzten Leute im Publikum, „Wenn ihr so ein Gestein aufschlagt, das Millionen Jahre alt ist, ist das absolut steril. Ekelhaft wird’s erst, wenn man mit mehreren Leuten auf der Grabung ist.“

Dröhnender Applaus beendet seinen Vortrag. Nach diesem grandiosen Auftakt kocht die Stimmung im Saal, jeder der Wissenschaftler kann auf seine Art und Weise das Publikum für sich einnehmen. Dies ist auch sehr wichtig, erklärt der Mann mit doppeltem Doktortitel Dr. Dr. Dante Bernabei: „Man muss mit dem Laien reden und seine Zuneigung gewinnen. Der Zuhörer muss mit den Augen zwinkern und dem Kopf nicken. Wenn man ihn nicht zum Kopfnicken bewegen kann, dann ist es nur Bla Bla“. Der Chemiker im Ruhestand hat nach etwa 30 Jahren bei der Darmstädter Firma Merck nochmal studiert, Sprach-und Literaturwissenschaft an der TU Darmstadt. Beim Science Slam erklärt er seine Doktorarbeit und warnt sicherheitshalber vor: „Die Damen sollten sich lieber die Ohren zuhalten, weil obszöne Wörter fallen könnten.“ Das tun sie auch. Der 79-Jährige beschäftigt sich mit der originalgetreuen Übersetzung von historischen Texten und erläutert am Beispiel einer zeitkritischen Satire von Charles-Pierre Baudelaire, zu welchen Problemen das führen kann. Übersetzt man nämlich alles Wort für Wort, kommen dabei Neologismen heraus wie „Fotz-Arsch-Rammeln“. Die Kombination aus solch skandalösen Begriffen und einem charmanten Herrn im Cord-Anzug beschert ihm den Sieg der ersten Vorrunde und so einige Gläser Rotwein.

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Glaziologin Helene Hoffmann hat Gletschereis und eine heiße Performance im Gepäck

Es folgen spannende Vorträge mit Titeln wie „Ice Ice Baby“ von Helene Hoffmann. Die Umweltphysikerin ist auf Gletscher spezialisiert und so bekommt das Publikum erst einmal jahrtausendealtes Gletschereis zum Probieren und legt danach noch einen Striptease hin, wobei sie sich den Skianzug vom Leib reißt. Ihre Teilnahme erklärt die junge Frau im Pünktchenkleid so: „Ich spiele in meiner Freizeit sehr gerne Theater und ich mache gerne Wissenschaft. Science Slam war für mich die perfekte Kombination aus beidem. Es macht einfach Spaß, wenn man Leute für sein Thema begeistern kann oder zumindest mal Interesse wecken.“ Für sie spiele die Kreativität eine wichtige Rolle bei der Wissenschaft. „Sich auch mal Analogien auszudenken, die vielleicht nicht zu 100 Prozent richtig sind, aber trotzdem dem anderen eine Idee davon geben, was man tut, da steckt schon eine große Kreativität drin. Ich finde das sehr wichtig, denn wenn ich in einem Vortrag sitze, in dem ich nach zwei Minuten einpennen könnte, dann habe ich auch nichts mitgenommen.“

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Die Siegerin des Abends: Janina Otto

Foto: Alexander Spiering

Das Rennen macht am Ende aber Zell-Biologin Janina Otto. Ihr Erfolgsgeheimnis? Sie zeigt, dass Wissenschaft nicht abstrakt sein muss und holt den Zuschauer in seinem Alltag ab. In In ihrem Vortrag „Im Schweiße deines Angesichts – Läuft bei dir“ geht es nämlich um ein unpopuläres Phänomen, mit dem wir uns aber alle herumschlagen: Schweiß. „Wenn ihr Schweiß nicht so gut findet, seid ihr in guter Gesellschaft, denn ungefähr 70 Prozent der Deutschen benutzen täglich ein Deo“, erklärt die Marburgerin zu Beginn. „Das ist eigentlich ganz schön wenig. Ich glaube die anderen 30 Prozent fahren immer mit mir im Bus, wenn´s warm ist.“

Ihr Vortrag macht aber auch Hoffnung, denn Schweiß muss nicht immer riechen. Thermischer Schweiß besteht nämlich aus Wasser und Salz und kann daher keine üblen Gerüche verströmen. Beim Stress-Schwitzen dagegen kann es schon mal müffeln. Ein typische Situation hierfür wäre ein Sprung aus einem Flugzeug, was so manche Tester von Deo-Wirkstoffen über sich ergehen lassen müssen. Auch bei den verschiedenen Geruchsrichtungen zeigen sich deutliche Unterschiede. Je nach Schweiß-Art kann es käsig riechen oder nach Erbrochenem und Fäulnis. „Erinnert mich immer an meine WG-Küche“, erklärt Janina Otto. Gleichberechtigung herrscht beim Thema Schweiß übrigens nicht zwischen Männern und Frauen. So riechen letztere eher nach Knoblauch und Zwiebeln, während der Schweißgeruch von Männern von 30 Prozent der Frauen als Vanille und Honig wahrgenommen wird. Mit weniger Show, aber dafür gekonnt platziertem Humor und großem Nutzwert gewinnt sie das Publikum für sich und darf sich über den Preis – eine Lilien-Fanmütze und eine Ladung Spargel – freuen.

Das Resümée des Abends: Man ist am Ende zwar schweißgebadet (vom Lachen), aber auch schlauer. Ein Nebeneffekt, den auch Science Slam Gründer Alex Dreppec zu schätzen weiß. „Wie viel sie davon noch wissen nach einem Jahr, kann ich nicht sagen. Aber ich kann mich an vieles erinnern, also meine Allgemeinbildung ist vorangekommen dadurch.“

 

 

 

 

 

 

3sat.de (http://www.3sat.de/page/?source=/nano/gesellschaft/165942/index.html)

11.3.2015

 

 

Alex Dreppec Video

 

Alex Dreppec entwickelte während seiner Promotion die Idee zum Science Slam

 

Poetry-Slam trifft auf Wissenschaft

Alex Dreppec hatte 2006 die Idee zum Science Slam

 

Während seiner Promotion über die Verständlichkeit wissenschaftlicher Texte, kam dem Poetry-Slammer Alex Dreppec die Idee zum Science Slam.

Bei Poetry Slams, Dichterwettbewerben, ist er mit Gedichten und Kurzgeschichten aufgetreten. Die Regeln eines Poetry Slams auf die Wissenschaft zu übertragen, war ein neues Konzept. Und Forscher zu finden war schwierig.

 

"Ich hatte unglaubliche Schwierigkeiten, Leute auf die Bühne zu kriegen und musste da ganz viel Kärrnerarbeit leisten", erinnert sich Dreppec. "Ich musste den Leuten sozusagen Gefälligkeiten versprechen, zum Beispiel beim Umzug zu helfen. Es laufen heute noch Leute in Darmstadt rum, denen ich deswegen einen Gefallen schulde." Der Aufwand hat sich gelohnt und am 29. September 2006 fand er statt, der allererste Science Slam im südhessischen Darmstadt, Dreppecs Heimatstadt.

 

Dass sich der Science Slam so schnell und weit verbreitet hat, hat Dreppec verblüfft: "Das finde ich ziemlich irre, das ist eine ziemliche Überraschung. Ich habe die Ausbreitung des Poetry Slam damals mitbekommen und habe auch ein paar Versuche mitbekommen, die Slam-Idee auf anderes zu übertragen. Dass das jetzt mit dem Science Slam so zündet, ist eine Überraschung, aber ich finde es super."

Der Science-Slam ist wie der Poetry-Slam ein Kurzvortragsturnier – allerdings unter wissenschaftlichen Vorzeichen. Nachwuchswissenschaftler messen sich im Kampf um den Sieg. Maximal zehn Minuten Zeit stehen zur Verfügung, um mit dem populärwissenschaftlichen Vortrag die Aufmerksamkeit und die Herzen der Anwesenden zu gewinnen. Anders als beim Poetry Slam sind aber Hilfsmittel wie Power-Point-Präsentationen erlaubt. Am Ende entscheidet das Publikum mit seinem Applaus, wer der Sieger ist.

 

 

 

Alexandra Welsch am 25. Januar 2015 im Darmstädter Echo


Erhöhte Lachfrequenz beim Bioplastik

Science Slam – Witzige Wissenschaft füllt erneut die Centralstation – Deutsche Meisterschaft zum Zehnjährigen im Jahr 2016


Inszenierung mit Sprachwitz: Dominique Macri und Dalibor Markovic als „Team Scheller“ beim Science Slam.  Foto: André Hirtz
Inszenierung mit Sprachwitz: Dominique Macri und Dalibor Markovic als „Team Scheller“ beim Science Slam.  Foto: André Hirtz


In zehn Minuten verständlich und unterhaltsam über Wissenschaft referieren – dieser Ansatz beim „Science Slam“ lockte am Samstag erneut viele in die Centralstation. Neuigkeiten gab's auch: Die Darmstädter Erfinder feiern 2016 Zehnjähriges und holen die Deutschen Meisterschaften her.

Simon McGowan macht’s noch mal in Zeitlupe, damit es deutlicher wird: Er streckt den Körper, holt mit beiden Armen aus, beugt sich langsam vor in Richtung des Holzklotzes mit dem emporragenden Nagel, haut ihn mit der Polymilchsäureplatte in seinen Händen tiefer ins Holz – und ruft: „Applaus fürs PLA!“

Das Publikum im ausverkauften Saal der Centralstation folgt dieser Aufforderung nicht das erste Mal am Samstagabend beim „Science Slam“, aber bei dem Auftritt des lockeren Bio-Verfahrenstechnikers aus Hannover klatschen sie besonders eifrig. Dem Anspruch an das Veranstaltungsformat, Wissenschaft möglichst verständlich und unterhaltsam in zehn Minuten zu erklären, wird der junge Mann in Cargohose und Wollmütze definitiv am gerechtesten.

Vorzüge von Biokunststoff

„Pimp My Bioplast“ ist sein Kurzvortrag hip betitelt, in dem er die Beschaffenheit und Vorzüge von Biokunststoff erläutert. Das zündet vor allem dank seines trockenen „Sendung mit der Maus“-Erklärtons und jeder Menge überzeichnender Bilder. So löst er den Begriff „Kunststoff“ mittels des Gemäldes der Mona Lisa (= Kunst) und eines Cannabisblatts (= Stoff) auf und vergleicht Polymere mit einer Polonaise, weil auch da freie Arme Verbindungen eingehen.

Die Lachfrequenz im Saal erhöht sich hier spürbar, nachdem der Mainzer Chemiker Thomas Schlesier vergleichsweise dröge über Zugsimulationen referiert hatte. Auch Chemiker Matthias Beyer aus Karlsruhe kam eher als Wissenschaftler denn als Entertainer rüber, während er über „Biodegradierbare Hybridpolymere für die regenerative Medizin“ sprach.

Einen schönen Schalk im Nacken aber hat Felix Spenkuch, Biomediziner aus Mainz: Unter dem Titel „Scheitern in der Wissenschaft“ arbeitet er mit viel Trottelhumor und Bildern von verrußten Laborwänden und Feuerwehreinsätzen den Fehlschlag als elementaren Teil der Forschung heraus. Motto: „Scheitern ist ziemlich normal und kann auch ziemlich praktische Auswirkungen haben.“

Eine ähnliche Erkenntnis vertritt Neurowissenschaftlerin Franca Lesemann, die die Arbeit ihrer Zunft so umreißt: „Wir denken, das Menschen irgendwas tun, und die machen das nie.“ Als fünfte und einzige Frau im Bunde macht sie eine souveräne und unterhaltsame Figur mit Darlegungen über Gefühlsansteckung und die Rolle von Spiegelneuronen dabei.

Der Kulturnische längst entwachsen

Es verwundert nicht, dass sie am Ende den per Publikumsapplaus ermittelten Sieg erringt – zusammen mit Simon McGowan. Beide haben bereits erfolgreich an Meisterschaften im „Science Slam“ teilgenommen. Und sie sind von den Veranstaltern ebenso eingeladen worden wie die „Poetry Slam“-Profis Dominique Macri und Dalibor Markovic, die zwischendrin als „Team Scheller“ mit dialogischer Sprach- und Inszenierungskraft auf der Bühne agieren.

Das zeigt auch, dass das Format längst aus der Kulturnische erwachsen ist – fast zehn Jahre, nachdem es in Darmstadt 2006 erfunden wurde und von dort seinen Siegeszug in der Republik und auch weltweit antrat. Und wie die Moderatoren nicht minder stolz kundtun, werden anlässlich des Zehnjährigen die Deutsche Meisterschaft 2016 in Darmstadt abgehalten.

Erinnert wird da auch an die Anfänge in der Studentenhalle „603 qm“. Dreppec, damals schon länger als Poetry-Slammer unterwegs und als Psychologe in seiner Doktorarbeit mit der Verständlichkeit von Wissenschaftstexten beschäftigt, dachte sich das Format aus. Seither hätten sich Anspruch und Professionalität spürbar erhöht, wie er feststellt. „Es professionalisiert sich auch, was das Verhältnis zwischen Unterhaltung und Wissenschaft angeht“, befindet Co-Moderator Röthemeyer.

Mal sehen, was das für das Jubiläum bedeutet: Die Deutschen Meisterschaften in der Wissenschaftsstadt sollen passenderweise im Darmstadtium abgehalten werden.



In seiner Reportage über die Darmstädter Lange Nacht schrieb Paul Hermann Gruner am 1. September 2014 im Darmstädter Echo:

 

Magnet Science-Slam

Es strömte allerdings anderswo hin. Als Magnet erster Güte stellte sich der gleich zweimal gebotene Science-Slam heraus, der das Foyer des Darmstadtiums gut auffüllte, und zwar weit über die Sitzplätze hinaus. Die von Science-Slam-Erfinder Alex Dreppec moderierte Kurzversion der Konkurrenz verdeutlichte das Konzept dahinter ideal: Johannes Schildgen aus Kaiserslautern sowie Aljoscha Kreß und Sascha Vogel aus Frankfurt servierten Witz auf der Basis der Realität und deren möglicher wissenschaftlicher Erklärung.

Schildgen zeigte, was man bei Amazon alles kaufen kann. Staunenswert. Beim digitalen Versandhandel kann man auch Uranium 238 in Dosen erwerben, genauso Zahnpasta oder Toilettenpapier, letzteres sogar „gebraucht“, wie Kreß vorführte, verbunden mit der Kommentierung: „Wer kauft denn so was?“

Kreß zeigte mit seinem Vortrag „Stechmücken fängt man mit Limburger Käse“, wo die eigentlichen Gefahren für die Menschheit liegen. Tödliche Haiangriffe pro Jahr? Rund zehn. Tote bei Flugzeugabstürzen pro Jahr: im Schnitt 600. Tote durch Terroranschläge weltweit pro Jahr: rund 20 000. Tote durch Malaria, also durch diese kleinen Mücken, sprich die weibliche Anopheles: rund 1,3 Millionen pro Jahr.

Sascha Vogel, Physiker, untersuchte unter der Überschrift „Gebrochene Translationsinvarianz physikalischer Theorien“ die Frage, inwieweit ein katapultiertes Opossum beim Auftreffen auf einen Baum einen bleibenden Eindruck in der Baumrinde hinterlassen kann. Eine zauberhafte Fragestellung – wie viele andere gebettet in die kurzweilige Vorführung von Filmausschnitten aus Hollywood-Produktionen.

Lebendige Friedhöfe waren das Thema von Fabian Oberfahrenhorst beim Science Slam in der Centralstation. Im Auge hat er jedoch das seltsame Treiben auf Friedhöfen des Mittelalters. Zum Sieg gereicht hat seine Darbietung allerdings nicht. Foto: Claus Völker
Lebendige Friedhöfe waren das Thema von Fabian Oberfahrenhorst beim Science Slam in der Centralstation. Im Auge hat er jedoch das seltsame Treiben auf Friedhöfen des Mittelalters. Zum Sieg gereicht hat seine Darbietung allerdings nicht. Foto: Claus Völker

Darmstädter Echo 16. September 2013 - Petra Neumann-Pristaj

 

Wieso haben Fledermäuse keine Karies?

Science Slam – Sechs Wissenschaftler belehren ihr Publikum auf witzige Weise in der Centralstation

 

Science Slams erfreuen sich großer Beliebtheit. Am Samstagabend informierten sechs Wissenschaftler in der ausverkauften Centralstation auf unterhaltsame Art über ihre Forschungsschwerpunkte – mit Erkenntnisgewinn fürs Publikum, obwohl jeder Vortrag nur zehn Minuten dauerte.

Das „Angeln“ von Fledermäusen mit großen Netzen gehörte in Panama zu den Aufgaben des Ulmer Diplom-Biologen Benjamin Stegmann (28). Dieser wollte einem Rätsel auf die Spur kommen. Warum haben sie bis ins hohe Alter diese beneidenswert gesunden weißen Zähne?

Dabei vertilgen gerade die fruchtfressenden Fledermäuse, für die sich Stegmann ausschließlich interessierte, pro Nacht so viele Feigen wie sie selber wiegen, sie konsumieren also enorm viel Zucker. Der Wissenschaftler wollte herausfinden, warum Fledermäuse trotz ihrer Überzuckerung keine Karies bekommen. Er untersuchte die DNS der im Maul der Tiere vorkommenden Bakterien und fand heraus, dass „Karius und Baktus“ ihren Zähnen dank des Lotus-Effektes nichts anhaben können.

Der Applaus entscheidet über den Sieg

Mit seinem Zehn-Minuten-Vortrag wurde der Biologe aus Ulm Sieger des fünften offiziellen Darmstädter Science Slams (dazu mehr im Info-Kasten). Denn das Publikum spendete ihm den längsten und lautesten Applaus.

Außer ihm hatten sich noch fünf weitere Wissenschaftler um Ehre und Anerkennung in der Science-Slam-Szene beworben. Für den schüchtern wirkenden, dann aber zusehends aufblühenden Florian Kern (23) aus Saarbrücken haben Science Slams schon Suchtcharakter.

Der Physiker und Informatiker hatte sich als Thema die wandelbare Größe Energie ausgesucht. Er wies nach, dass es ohne Sonne, diese Mutter von Wind, Wasser und Biomasse, keine Pflanzen, Tiere, Jäger und keine Vegetarier geben könnte. Damit wurde er der zweite Sieger des Abends. Mit einem „Buch, das niemand lesen kann“, hatte sich der Informatiker und Verschlüsselungstechniker Klaus Schmeh (42) aus Gelsenkirchen beschäftigt. Da er schon an 20 Slams teilgenommen hat, zählt er zu den „Slam-Opas“.

Der Wissenschaftsjournalist verpackte sein kompliziertes Thema in eine nette Rahmenhandlung. Mit vielen Comic-Darstellungen näherte er sich dem Phänomen des Voynich-Manuskripts, eines handgeschriebenen, mit Zeichnungen versehenen 230 Seiten starken Buches, das im 15. Jahrhundert entstanden ist und in einem italienischen Kloster aufbewahrt wurde.

Über ein rätselhaftes Buch mit seltsamen Worten

Bisher war niemand in der Lage, die seltsamen Worte und noch seltsameren Pflanzendarstellungen zu enträtseln. Die Sinnsuche sei so wenig erfolgversprechend wie eine Ehe mit Lothar Matthäus, meint Schmeh. Seine Vermutung: Da habe sich ein Unbekannter, vielleicht ein Mönch, vor 500 Jahren einen Scherz erlaubt und des Geldes wegen ein Buch ohne Inhalt geschrieben. Dass dies möglich sei, habe ja auch schon Dieter Bohlen bewiesen.

In seiner künftigen Doktorarbeit will sich Fabian Oberfahrenhorst (37) aus Darmstadt, ebenfalls Science-Slam-Veteran, Historiker mit Magisterabschluss und Werbetexter, mit dem öffentlichen Leben auf den Friedhöfen des Mittelalters beschäftigen. Aufgrund des Kirchenasyls waren sie ein Tummelplatz für Randgruppen, Kriminelle und Prostituierte. Auf ihnen ging es höchst lebendig zu, denn der Tod wurde als Übergang in die nächste Welt und nicht als endgültiger Abschied betrachtet. Sie waren ein Spannungsfeld zwischen Pietät und Party.

Der Lehramtsstudent Florian Kern (23) aus Saarbrücken führte vor, wie man Frauen scharf macht. Nicht auf die sexistische Tour, sondern rein mathematisch bei der Bildbearbeitung am Computer. Das seltene Fach Informationsrecht hatte Tim Stern (36) aus Bensheim studiert. Der Science-Slam-Neuling erklärte die Spielregeln des Wettbewerbsrechts am Beispiel des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.

Locker moderiert wurde die unterhaltsame Show von Axel Röthemeyer und Alex Dreppec, dem Erfinder des Science Slams. Als Pausenfüller unterhielt Gitarrist Tilman Claas (24) mit trotzig-rotzig vorgetragener Musik und tragisch-komischen Texten („Süß sein ist auf Dauer ganz schön bitter“) das Publikum. Er versäumte nicht, auf den nächsten Wettbewerb in der Centralstation hinzuweisen: Am Donnerstag (19.) um 19 Uhr startet ein Singer-Songwriter Slam. Und Claas slamt natürlich mit.

 

 

Frankfurter Rundschau 27. Januar 2011

Darmstadt Forschung geht auch lustig

 Von Anne Lemhöfer

 

Das funktioniert. Bestimmt.  Foto: dapd

 

Wissenschaftler laden ein zum Science Slam, einer ziemlich geschickten und attraktiven "Werbeveranstaltung" für die unterschiedlichsten akademischen Disziplinen.

 

Was ein Poetry Slam ist, das weiß jeder. Dichter und solche, die es gerne wären, lesen auf einer Bühne aus ihrem Selbstgeschriebenen und das Publikum wählt per Akklamation einen Sieger. Zahlreiche jüngere Autoren haben so den Sprung in den offiziellen Literaturbetrieb geschafft.

Das Konzept, so dachte sich der Darmstädter Alex Dreppec, lässt sich auch auf andere Bereiche ausdehnen – zum Beispiel auf die Wissenschaft. Erforschen Forscher doch zuweilen die abgefahrendsten Sachen. So wurde aus der Dichterschlacht im Südhessischen die Forscherschlacht.

 

And the winner is...

Dabei treten Wissenschaftler mit ihren Themen gegeneinander an. Anschließend kürt das Publikum einen Gewinner. Mittlerweile wurde das Format in vielen Städten kopiert. Die populärwissenschaftlichen Vorträge erfreuen sich offenbar großer Beliebtheit. Am heutigen Freitag, 28. Januar, fachsimpeln in der Darmstädter Centralstation wieder Kandidaten mit Vorträgen gegeneinander an.

Mit dabei ist Peter Engels vom Stadtarchiv, Gewinner des ersten Darmstädter Science Slams, der mit dem Thema „Warum ist der lange Lui lang?“ antritt. Außerdem referiert der Hochschulprofessor Michael Massoth zum Thema „Wie das Internet unsere Welt verändert“. Fabian Oberfahrenhorst hat einen Vortrag vorbereitet mit dem Titel „Echt finster, dieses Mittelalter“. Alexander Diroll stellt einen Essay über „Das Nichts in seinen ganzen Facetten“ vor.

Science Slam, 28.2., 20.30 Uhr, Centralstation, Darmstadt, Im Carree, Tel. 06151/3668899

Das Darmstädter Echo zum ersten Science Slam am 2. Oktober 2006
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Das Darmstädter Echo am 6. Februar 2007
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Die Frankfurter Rundschau am 12. Februar 2007
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Das Darmstädter Echo am 3. Dezember 2007
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