Science Slam Hirnstadt Darmstadt

 

Der nächste Termin in der Centralstation: 21. September 2019

 

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https://www.centralstation-darmstadt.de/event/8294001/science-slam-darmstadt/

23.2.2019

 

Von der Magie eines Quadrates

 

 

 

Science Slam in der Hirnstadt Darmstadt. Renommierte Wissenschaftler wie der Duisburger Politologie Daniel Lambach, der Eisenforscher Aniruddha Dutta aus Düsseldorf, der Münchener Bio-Informatiker Bela Paul Frohn, der Ingenieur Kai Brudermann aus Laudenbach an der Bergstraße und der Münchener Sinologe André Kovac stritten am Samstag im Saal der Centralstation um den populärsten Kurzvortrag. Den meisten Applaus bekam am Ende ein Fachmann für alte Sprachen: Stefan Merkle zeigte, wie viele Lösungsansätze ein antikes magisches Quadrat bietet.

 

 

 

Es gibt wohl nur eine Veranstaltungsreihe in Darmstadt, deren Termine regelmäßig Wochen vorher ausverkauft sind: Der Science Slam im Saal der Centralstation. Am Samstag war es wieder einmal so weit. Alex Dreppec und Axel Röthemeyer, die Erfinder dieses Formats und Moderatoren der ersten Stunde, luden zum Science Slam in der Geburtsstadt des Science Slam – der Hinrstadt Darmstadt. Sechs Wissenschaftler vom aufstrebenden jungen Genie bis zum pensionierten Ingenieur präsentierten wissenschaftliche Kurzvorträge der unterschiedlichsten Sparten.

 

 

 

So ein Vortrag sollte in Darmstadt nicht wesentlich länger, als zehn Minuten dauern. Darauf weist Axel Röthemeyer gleich zu Anfang hin. Und damit dies auch gewährleistet wird, sucht das Team einen Menschen der sowohl eine Uhr besitzt, mit der er umgehen kann, als auch einen Tierlaut erzeugen kann, um den Vortragenden nachdrücklich auf die fortgeschrittene Zeit hinzuweisen. Alex Dreppec ist sofort von einem Besucher namens Dominique begeistert, der einen Orang Utan täuschend nachmachen kann.

 

 

 

Die Veranstalter engagieren regelmäßig Musiker, die so etwas wie ein Rahmenprogramm gestalten. Hans Schroll aus Lindenfels im Odenwald ist ein Loop-Station-Artist. Er arbeitet mit einem Sampler. Das ist ein elektronisches Aufzeichnungsgerät, mit dem er kurze musikalische Sequenzen aufnimmt, die er auf verschiedenen Spuren speichert und immer wieder abspielen kann. Die Tonspuren erzeugt er als Klänge oder Geräusche, die er selbst mit dem Mund einspielt. Heraus kommen musikalische Miniaturen, die den Besuchern so gut gefallen, dass er ohne Zugabe nicht von der Bühne gelassen wird.

 

 

 

Die Vortragsreihe wird von einem Politikwissenschaftler aus Duisburg eröffnet, Daniel Lambach. Er ist seit kurzem in Frankfurt tätig und beschäftig sich in seiner Arbeit ‚Mondrebellen‘ mit den Möglichkeiten, auf dem Mond Menschen anzusiedeln. Dabei interessieren ihn insbesondere die Konsequenzen, wenn sich eine Gesellschaft völlig neu erfinden muss und sich den Mond beispielsweise als perfekte Steueroase vorstellt, bei der ein schwunghafter Handel mit Mondgrundstücken prognostiziert werden kann.

 

 

 

Auf positive Weise bodenständig gibt sich der Werkstoff-Ingenieur Aniruddha Dutta aus Düsseldorf. Im Max-Planck-Institut für Eisenforschung kam ihm die Idee, dass Metall-Legierungen sehr viel mit einem Nudelauflauf auf der einen, oder einer Spaghetti-Carbonara auf der anderen Seite gemeinsam haben. Er stammt aus Kalkutta und seine Deutsch-Kenntnisse sind noch recht lückenhaft. Deshalb hält er sein Referat "Stealing weight from Steel" in englischer Sprache. Damit wurde er im vergangenen Jahr immerhin deutscher Meister im Science Slam. Auch in Darmstadt kommt sein ‚High Energy Dish‘ so gut an, dass er aus der ersten Runde als Sieger hervorgeht.

 

 

 

Schließlich verkündet Bela Paul Frohn aus München ‚Das Ende der Evolution‘. Vorher muss er jedoch klären, was überhaupt ein Bio-Informatiker ist und womit er sich beschäftigt. Obwohl er gerade ein Jahr in Schottland verbringt, nutzt er seinen Urlaub für einen Abstecher in die Hirnstadt Darmstadt. Derzeit macht er einen Master in diesem exotischen Fachbereich. Wer sich, wie er, mit dem Kopieren von Genomen beschäftigt, kann sich eine Menge Experimentierfelder vorstellen – beispielsweise eine Motte mit Fliegenbeinen. Schöne neue Welt.

 

 

 

Nach der Pause baut der Ingenieur Kai Brudermann aus Laudenbach an der Bergstraße einen Tisch mit Flugmodellen aus Papier auf. Sein Gebiet ist das Erfassen und Auswerten von Messdaten. Dabei schaut er sich beispielsweise bestimmte Verhaltensweisen bei Vögeln ab, und welche Voraussetzungen sie erfüllen, um besonders hoch oder besonders weit fliegen zu können. Aus den Messdaten gewinnt er eine Vorstellung, wie physikalische Flugobjekte konstruiert werden müssen, um bestimmte Eigenschaften anzunehmen. Ob sich dies dann in der Realität bewahrheitet, testet er an Papierfliegern. Und tatsächlich demonstriert er dem staunenden Publikum die Alltagstauglichkeit seiner Annahmen, aufgrund von statistischen Zahlenreihen.

 

 

 

Da hat André Kovac aus München ganz andere Sorgen. Seit Jahren beschäftigt er sich mit chinesischen Sprachen und der Entwicklung der Schriftzeichen. Er hat auch bereits eineinhalb Jahre in dem Riesenreich verbracht. Daraus erwuchs der Antrieb, dem Publikum des Science Slam in der Hirnstadt Darmstadt in zehn Minuten eine chinesische Speisekarte so zu erklären, dass alle sie verstehen. Bekanntlich dreht sich in China alles um das Essen. Tatsächlich entwickelt er aus wenigen Wörtern (Fluss, Wasser, Vogel etwa) zentrale Inhalte einer Speisekarte. Allerdings wird auch klar, dass es für Unbedarfte nicht ganz einfach ist, beispielsweise das Zeichen für das Blut einer Ente vom Namen eines Froschs zu unterscheiden.

 

 

 

Völlig aus der Zeit gefallen scheint bei einem Vergleich mit den anderen Referaten der Vortrag des Alt-Philologen Dr. Stefan Merkle. Er unterrichtet Latein an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, LMU. Seine Hauptkunden sind Studenten, die es in ihrer bisherigen Karriere verstanden haben, Latein und Altgriechisch aus dem Weg zu gehen, jetzt aber feststellen mussten, dass das ein Fehler war. Und weil es solche Leute auch außerhalb der Uni gibt, verbreitet er seine Einsichten über die Antike auch gerne öffentlich in Science-Slams. Stefan Merkle hat ein Bild des sogenannten ‚Sator-Quadrates‘ mitgebracht. Es besteht aus den Buchstabenkombinationen SATOR AREPO TENET OPERA ROTAS. Ob das magische Quadrat wirklich eine Bedeutung hat und welche, kann auch er nicht abschließend klären. Aber er zeigt, was man alles herausdeuten kann, wenn man es als Palindrom horizontal oder vertikal zu entschlüsseln versucht. Das Publikum kürt Stefan Merkle an diesem Abend zum Gesamtsieger des Science Slam in der Hinrstadt Darmstadt.

 

 

 

Marc Mandel.

 

 

 

An dieser Stelle weitschweifig über Science Slam zu reden, hieße Heiner nach Darmstadt zu verbringen – oder Rippchen nach Frankfurt. Für Neulinge will ich trotzdem ein paar Fakten einfügen: Konzipiert und realisiert wurde der Science Slam 2006 von Alex Dreppec in der legendären Stoeferle-Halle 603 qm in Darmstadt. Vorher war einfach niemand auf die Idee gekommen, Wissenschaftler zu bitten, ihr Forschungs-Projekt in zehn Minuten allgemeinverständlich darzustellen. Das hat der Wissenschafts-Community so gut gefallen, dass es mittlerweile in allen Erdteilen Science Slams gibt. Dass so etwas in der Wissenschaftsstadt Darmstadt immer ausverkauft ist, versteht sich am Rande.

 

 

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